Biogas-Update: Kampf um Anerkennung und neue Rechtsrahmen
Datum: 15. Dezember 2025
Die jüngsten Entwicklungen im Biogas- und Biomethansektor sind von intensiven politischen Debatten in Deutschland und einer fortlaufenden Herausforderung der Ausbauziele geprägt. Während in Deutschland ein neuer Rechtsrahmen für Gasnetzbetreiber entsteht, kämpfen Biomethanproduzenten gegen drohende Wettbewerbsnachteile.
Deutschland: Politischer Kampf um Biomethan im Verkehr
Der Fokus der aktuellen politischen Auseinandersetzung liegt auf der Rolle von Biomethan als Kraftstoff.
Warnung vor Wettbewerbsnachteilen: Der Biogasrat kritisiert scharf die Pläne der Bundesregierung, die doppelte Anrechenbarkeit fortschrittlicher Biokraftstoffe (wie Biomethan und Bio-LNG) bereits 2026 zu streichen.
Folge: Produzenten würden Wettbewerbsnachteile gegenüber Anbietern nicht-biogener erneuerbarer Kraftstoffe und Fahrstrom erleiden, deren höhere Anrechenbarkeiten länger bestehen bleiben.
Forderung: Der Biogasrat appelliert an die Regierungskoalition, die europarechtlich mögliche Doppelanrechnung zumindest über eine Übergangsphase bis 2030 aufrechtzuerhalten, um Vertrauensschutz und Planungssicherheit zu gewährleisten.
Rechtsrahmen für Gasnetze: Die Bundesregierung hat einen Referentenentwurf zur Novelle des Energiewirtschaftsgesetzes (ENWG) vorgelegt, der erstmals einen klaren Rechtsrahmen für Gasnetzbetreiber schafft. Dieser soll es ihnen ermöglichen, ihre Netze stillzulegen, auf Biomethan umzurüsten oder für Wasserstoff vorzubereiten.
Biogas-Studie im Fokus: Eine neue IZES-Studie, die das Potenzial von Biogas als schnellen und umfassenden Erdgasersatz hervorhebt, wird weiterhin in der Politik diskutiert und stellt die Notwendigkeit der geplanten, kostspieligen fossilen Kraftwerksstrategie in Frage.
Österreich: EGG-Ziele und Ausbau der Bioenergie
In Österreich bleibt der Ausbau erneuerbarer Gase ein zentrales, aber schwer erreichbares Ziel.
Ehrgeizige EGG-Ziele: Das Erneuerbares-Gas-Gesetz (EGG) zielt darauf ab, die Biomethanproduktion massiv zu steigern: von 0,14 TWh auf 7,5 TWh bis 2030. Die Erzeugungsmenge soll damit verfünfzigfacht werden. Das EGG soll finanzielle Rahmenbedingungen für den Bau und Betrieb von Anlagen attraktiver machen.
Hoher Bioenergie-Anteil: Unabhängig von Biomethan ist Bioenergie (hauptsächlich feste Biomasse) mit einem Anteil von 48,0 % (Stand 2024) weiterhin die wichtigste erneuerbare Energiequelle im Bruttoinlandsverbrauch Österreichs, noch vor Wasserkraft.
Sektorübergreifende Meldung: Netzanschluss-Herausforderungen
Speicher-Ausbremsung in Deutschland: Die Bundesregierung plant, Großbatteriespeicher ab 100 MW aus der Kraftwerks-Netzanschlussverordnung (KraftNAV) herauszunehmen. Der BEE und andere Verbände kritisieren diesen Schritt als „Schnellschuss“, der Unsicherheit schafft und die Ausbauziele für Speicher gefährden könnte, welche für die Flexibilisierung des Energiesystems und die Integration von Biogas-Strom wichtig sind.