Biogas-Update Deutschland: CO₂-Preis 2027, Gasreserve, Grüngasquote
(Stand: 19. Oktober 2026)
Der Bundestag hat den CO₂-Preis für Heizen und Tanken 2027 festgezurrt, das EEG 2027 und das Netzpaket bleiben dagegen bis November offen. Das Wirtschaftsministerium plant eine Gasreserve mit eigener Umlage, und zur Grüngasquote hat der Dialog mit der Branche begonnen.
1. CO₂-Preis 2027: Korridor bleibt bei 55 bis 65 Euro
Der Bundestag hat am 15. Oktober die Änderung des Brennstoffemissionshandelsgesetzes (BEHG) beschlossen. Fossile Brennstoffe werden 2027 damit nicht stärker belastet als 2026.
- Beschluss: 303 Ja-Stimmen, 210 Nein-Stimmen und 52 Enthaltungen. Der Preiskorridor für Erdgas, Heizöl, Benzin und Diesel liegt 2027 weiter bei 55 bis 65 Euro je Tonne CO₂.
- Hintergrund: Das Gesetz überbrückt das Jahr bis zum Start des EU-Emissionshandels für Gebäude und Verkehr (ETS 2) im Jahr 2028.
- Nächster Schritt: Der Bundesrat befasst sich voraussichtlich im November damit. Er kann Einspruch einlegen, das Gesetz aber nicht verhindern.
- Was das bedeutet: Der Kostenabstand zwischen fossiler Wärme und Biogas-Wärme oder Biomethan wächst 2027 nicht weiter. Für Wärmekunden bleibt das Preissignal stabil.
2. Gasreserve: Umlage für Gaskunden ab Oktober 2027 geplant
Das Bundeswirtschaftsministerium hat am 13. Oktober einen Gesetzentwurf für eine nationale Gasreserve in die Länder- und Verbändeanhörung gegeben. Die Reserve soll nur in einer von der Bundesnetzagentur ausgerufenen Notfallstufe genutzt werden.
- Umfang: In der Begründung sind derzeit 24 TWh genannt, rund zehn Prozent der deutschen Speicherkapazität. Die endgültige Menge soll sich aus einer Risikobewertung der Bundesnetzagentur ergeben.
- Kosten: Geschätzt 247 bis 308 Mio. Euro pro Jahr, das sind etwa 0,03 bis 0,04 Cent je kWh. Für Haushalte rechnet der Entwurf mit 3,77 bis 7,20 Euro Mehrkosten im Jahr.
- Frist: Die erste Umlageperiode soll am 1. Oktober 2027 beginnen.
- Was das bedeutet: Energieversorger mit Gaskunden müssen eine weitere Umlage einplanen. Noch ist nichts beschlossen, alternativ ist auch eine Finanzierung aus dem Bundeshaushalt im Gespräch.
3. Grüngasquote: Dialog gestartet, Zeitplan wackelt
Am 16. Oktober hat das Ministerium die Verbände zu einem ersten Gespräch über die Eckpunkte der Grüngas- und Grünheizölquote eingeladen. Die Rahmendaten hatten wir in der Vorwoche vorgestellt.
- Bioenergie: Die Branchenverbände fordern im Vorfeld Nachbesserungen, unter anderem eine ehrgeizigere Quote und keine Mehrfachanrechnung von Wasserstoff.
- Versorger: Der BDEW verlangt klare Regeln, welche Kunden unter die Quote fallen, eine einfache digitale Nachweisführung und mindestens ein Jahr Vorlauf zwischen den endgültigen Regeln und dem Start der Pflicht.
- Zeitplan: Ein Kabinettsbeschluss bis 1. Dezember gilt laut Ministerium als sehr ambitioniert.
- Was das bedeutet: Für Biomethan-Projekte bleibt die Quote ein möglicher neuer Absatzweg. Verlässlich planen lässt sich damit aber noch nicht.
4. EEG, Netzpaket und KWKG: Entscheidungen verschoben
Der Bundestag ist in eine zweiwöchige Sitzungspause gegangen, ohne das EEG 2027 und das Netzpaket abzuschließen. Auch bei anderen Vorhaben gibt es Verzögerungen.
- EEG 2027: Die 2. und 3. Lesung wird nun für die Woche vom 9. bis 13. November erwartet. Ob die EU-Kommission rechtzeitig zum 1. Januar 2027 zustimmt, ist weiter offen. Berichten zufolge ist ihre Verhandlungsposition hart.
- KWKG: Der für den 14. Oktober geplante Kabinettsbeschluss wurde abgesetzt. Ein Gesetzentwurf liegt noch nicht vor.
- Netzentgelte: Der Bundesrat hat am 16. Oktober gefordert, den Bundeszuschuss zu den Übertragungsnetzkosten 2027 bis 2029 bei 6,5 Mrd. Euro pro Jahr zu belassen statt auf 5,525 Mrd. Euro zu senken. Das ist für den Bundestag nicht bindend.
- Was das bedeutet: Anlagenbetreiber mit auslaufender Vergütung oder anstehender Flexibilisierung sollten Investitionsentscheidungen bis zu den Beschlüssen im November offenhalten.
Kurznotiert: Termin-Tipp
Quellen: bundestag.de, zfk.de, biogas.org, bdew.de, solarserver.de, pv-magazine.de, dlg.org. Stand der Meldungen 12.10.–16.10.2026. Die Angaben dienen der allgemeinen Information und ersetzen keine Prüfung im Einzelfall.