Biogas-Update Deutschland: EEG-Anhörung, Absage an die Länder, Wirtschaftsdünger
(Stand: 6.–9. Oktober 2026)
Der Wirtschaftsausschuss des Bundestags hat am Montag Sachverständige zum EEG 2027 gehört, die Bioenergiebranche verlangt deutliche Korrekturen. Die Änderungswünsche des Bundesrats hat die Bundesregierung zuvor zurückgewiesen. Dazu kommen zwei Meldungen der FNR für landwirtschaftliche Betriebe und neue Zahlen zum Strommix.
1. EEG 2027: Bioenergie fordert in der Anhörung Korrekturen
Am 5. Oktober hat der Ausschuss für Wirtschaft und Energie Sachverständige öffentlich zum Regierungsentwurf angehört. Für die Bioenergie sprach Sandra Rostek vom Hauptstadtbüro Bioenergie.
- Ausbauziel: Der Entwurf nennt 9,5 Gigawatt installierte Biomasseleistung für 2030 und 2035. Das hält die Leistung, wegen der Flexibilitätsvorgaben aber nicht die Strommenge. Der Verband fordert 19,3 Gigawatt.
- Ausschreibungen: Gefordert sind mindestens 2.500 Megawatt pro Jahr bis 2032. Dieselbe Zahl nannte der Bundesverband Erneuerbare Energie.
- Flexibilität: Der Flexibilitätszuschlag soll auf 130 Euro je Kilowatt steigen, die Bagatellgrenze bei der Überbauung von 350 auf 750 Kilowatt. Der Maisdeckel soll entfallen, Batteriespeicher sollen als Flexibilitätsoption ausdrücklich zugelassen werden.
- Einordnung: Die Anhörung ändert den Entwurf nicht. Über Änderungen entscheidet der Ausschuss in den weiteren Beratungen.
2. Bundesregierung weist Änderungswünsche der Länder zurück
Die Gegenäußerung der Bundesregierung zur Stellungnahme des Bundesrats liegt dem Bundestag seit dem 30. September vor (Drucksache 21/8298). Die Forderungen der Länder hatten wir in KW40 vorgestellt.
- Ergebnis: Nach übereinstimmenden Berichten von Fachmedien stimmt die Bundesregierung keinem der Vorschläge zu. Damit bleibt es auch bei der Biomasse vorerst beim Entwurf, etwa beim Ausschreibungsvolumen und bei der Dauer der Anschlussförderung.
- Zeitdruck: Die beihilferechtliche Genehmigung des EEG 2023 läuft am 31. Dezember 2026 aus. Danach könnten nach geltendem Recht keine neuen Förderansprüche wirksam entstehen, erklärte der Sachverständige Thorsten Müller in der Anhörung. Eine weitere, kurz befristete Genehmigung durch die EU-Kommission hält er für möglich.
- Was das bedeutet: Nachbesserungen für die Bioenergie können jetzt nur noch aus dem Bundestag kommen. Beschlossen ist weiterhin nichts.
3. FNR: Broschüre zu Wirtschaftsdünger, Speicherförderung pausiert
Die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe (FNR) hat in dieser Woche zwei Meldungen veröffentlicht, die landwirtschaftliche Betriebe direkt betreffen.
- Broschüre: „Vergärung von Wirtschaftsdüngern in landwirtschaftlichen Biogasanlagen“ ist am 6. Oktober erschienen und steht kostenlos in der FNR-Mediathek. Erarbeitet haben sie DBFZ, KTBL und der Biogasexperte Dr. Gerd Reinhold.
- Inhalt: Fünf Anlagensteckbriefe von der Güllekleinanlage bis zur flexiblen Großanlage, dazu Geschäftsfelder wie Biomethanvermarktung und Gemeinschaftsanlagen.
- Batteriespeicher: Über das Bundesprogramm Energieeffizienz in Landwirtschaft und Gartenbau wurden in der laufenden Förderperiode 470 Betriebe mit mehr als 5 Millionen Euro bei Speichern zur Eigenstromnutzung unterstützt.
- Frist: Für Neuanträge ist das Programm derzeit nicht geöffnet. Laut FNR kann es wieder öffnen, wenn mit dem Bundeshaushalt 2027 die nötigen Mittel bereitstehen.
4. Strommix: Erneuerbare bei knapp 61 Prozent, Biomasse leicht rückläufig
BDEW und ZSW haben am 1. Oktober vorläufige Zahlen für die ersten drei Quartale 2026 vorgelegt.
- Anteil: Erneuerbare Energien deckten 60,7 Prozent des Stromverbrauchs, im Vorjahreszeitraum waren es 56,7 Prozent.
- Biomasse: 31,3 Milliarden Kilowattstunden und damit 2,1 Prozent weniger als im Vorjahr. Das entspricht 7,9 Prozent der Stromerzeugung.
- Wind und Sonne: Photovoltaik legte um 13,9 Prozent auf 94,7 Milliarden Kilowattstunden zu, Wind an Land um 9,1 Prozent auf 76,2 Milliarden.
- Was das bedeutet: Der Zuwachs kommt aus wetterabhängiger Erzeugung. Für Biogasanlagen zählt damit zunehmend der Zeitpunkt der Einspeisung, weniger die Menge.
Kurznotiert: Termin-Tipp
Quellen: bundestag.de, hauptstadtbuero-bioenergie.de, solarserver.de, fnr.de, bdew.de, biogas-convention.com. Stand der Meldungen 30.09.–06.10.2026. Die Angaben dienen der allgemeinen Information und ersetzen keine Prüfung im Einzelfall.